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Predigt über Mk.15,39

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Notes & Transcripts

Predigt über Mk.15,39

Autor: Thomas Ehlert

Erstelldatum: 31. März 1999

Titel: Ein Hauptmann erkennt Gottes Sohn

Bibelstelle: Mk.15,39

Anzahl der Seiten: 6

Anzahl der Wörter: 1888

Anzahl der Zeichen: 10159

Gepredigt:

Datum Ort Bemerkungen
2.4.99 Rinsdorf/Eisern Karfreitag
     
     
     

Gliederung:

Gliederung:....................................................................... 1

Anspiel............................................................................... 1

Herrmann Traub: Eine Andacht vom Kreuz.............. 1

2. Predigt........................................................................... 4

Anspiel

Herrmann Traub: Eine Andacht vom Kreuz

„Der Hauptmann aber, der dabeistand ihm gegenüber und sah, daß er so verschied, sprach: 'Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen." (Mk. 15,39)

'Karriere hast du gemacht', sagen mir alle, und jeder denkt dabei natürlich an etwas anderes. Die Verwandtschaft lobt die warme Gegend, in der ich meinen Dienst versehen kann. Sie träumen in ihrem kalten germanischen Land mit Eis und Schnee von den heißen Quellen in Tiberias. Die kann ich ja jedes Wochenende besuchen, um mich dort ein bißchen aufzuwärmen. Sie träumen, meine Verwandtschaft, von den Früchten, von den Gerüchen hierzulande, die ganze Exotik der Blumen und der Felder.

Wir Soldaten wissen es besser. Unter uns geht der Spruch 'verdammtes heiliges Land'. Jeder kleine Terrorist kann uns abmurksen, wenn wir abends unseren Dienst schieben. Und hier in diesem Land riecht es nicht nur nach exotischen Früchten und Blumen. Hier riecht es nach Haß und Tod. Und die. die von uns als Soldaten nach Galiläa versetzt werden, haben den Todesgeruch schon längst in der Nase. Dort sind die Hinterhalte gefährlicher und die Messer sitzen locker, die dir die Kehle durchschneiden können.

Tja, aber das kann man der Verwandtschaft nicht erzählen und erklären. Zuviel Angst hat auch keinen Sinn. 'Karriere hast du gemacht', das sagen sie auch in der Truppe, 'steil bergauf. Mit 20 Jahren schon Offizier' Und jetzt hat Pilatus mich zum Hauptmann gemacht. Es ist alles natürlich mit einer kleinen Gehaltserhöhung verbunden. Das machen sie nicht immer, aber immer öfter wird bei einem Regierungswechsel einfach so ein bißchen das Gehalt erhöht.

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'Karriere hast du gemacht', sagen meine Leute in der Truppe. Ich als Soldat weiß es besser. Wer unter direkter Befehlsgewalt unter Pilatus steht, der hat meistens Drecksarbeit zu tun. Und auch hier gilt 'verdammtes heiliges Land', denn wo sind so viele Störenfriede, die die Konflikte schüren wie hier? Da gibt es die übermächtigen Hohenpriester, die nicht in den Kopf bekommen, daß der Wind sich gedreht hat in unserem Land, das jemand anderes die Macht hat, daß Rom das Sagen hat. Und der unselige Herodes mit seinen Weibergeschichten und Praktikantinnen, die ihn zur Witzfigur der Nation machen - Witzfigur, wirklich.

Was heißt hier schon Karriere? Wozu den vollen Geldbeutel? Hier kann man das Geld nicht ausgeben. Abends bei Sonnenuntergang macht die Kneipe schon zu. Wir marschieren hier von einer unappetitlichen Aufgabe zur anderen. Heute bekamen wir wieder so einen Sonderfall. In den Diensträumen unserer Kompanie scheint es nur Sonderfälle zu geben in diesem 'verdammten heiligen Land'. Ich habe heute Dienst - Frühschicht. Die geht bis um drei Uhr, dann ist Ende. Kurzes Standgericht im Gerichtssaal. 

Pilatus sitzt auf dem Richterstuhl und stellt die Frage der Anklage: Bist du der König der Juden? Er bekommt eine Antwort aus drei Worten: Ja. Du sagst es. Das war alles. Das blieb alles. Kein Wort kommt weiter über die Lippen des Angeklagten. Jesus heißt er. Na, so wie hier fast alle heißen. Ich als Soldat kenne meinen Chef. Ich sehe seinen Gesichtszügen an, wenn ihm was nicht schmeckt. Und das hier, dieser Sonderfall schmeckt ihm nicht. Er will deshalb von seinem Amnestierecht Gebrauch machen. Wir haben heute einen hinter Gittern, das stimmt, der schon vielen die Kehle durchgeschnitten hat. Und da Pilatus ein Spielertyp ist, läßt er das Volk entscheiden. Großmütig, wie er sagt: 'Was wollt ihr denn, das ich tue mit dem, den ihr König der Juden nennt?' Kaum hat er die Frage gestellt, hängt ein Schrei in der Luft: 'Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!'

In diesem Moment wußte ich: Die nächste Drecksarbeit steht an. Wenn die hier so rumbrüllen: 'Kreuzige, kreuzige ihn!', dann kannst du schon den Holzbalken zuschlagen. Es geht ruckzuck. Es geht nur noch um Stunden, bis der Sonderfall in der Hitze verdurstet und erstickt. Und so eine Arbeit machen, das nennen die Karriere. Da kann ich nicht mal mehr lachen. Dann, ja dann ging es Schlag auf Schlag. Präzision ist das Markenzeichen der Römer. Nackt ausziehen. Draufhauen. Krone aus Dornen flechten, auf den Kopf drücken. Verspotten. Anspucken. Spaß haben. Kein Spaß. Makaberen Spaß. Alles professionell. Dafür machen wir unseren Job. Durch die engen Gassen treiben. Abschreckung. Müllplatz. Kreuzesbalken zwischen die Scherben und den Müll rammen. Annageln. Betäuben klappt nicht. Das lehnt der Sonderfall ab. Schlag drei -Schichtwechsel. Alles ist erledigt. Zum Schluß hängen wir noch ein Poster an den Balken: 'König der Juden'.

Und dann das übliche: Schaulustige. Sympathisanten. Spötter. Sollen sie ihn doch lassen. Der ist doch schon erledigt. Er lebt noch. Er atmet schwer. Er schreit: 'Mein Gott, mein Gott, warum, warum hast du mich verlassen?' Eigentlich habe ich schon gar keinen Dienst mehr. Ich bin eigentlich schon gar nicht mehr hier. Aber irgendwie bleibe ich auf meiner Stelle stehen. Mein Platz war genau ihm gegenüber. Wie angenagelt stehe ich auf meinem Platz ihm gegenüber. Warum gehe ich nicht weg? Mein Job ist doch zu Ende. Meine Arbeitszeit ist um. Ich habe doch alles mit Präzision hinter mich gebracht.

Aber immer noch schaue ich ihm ins Gesicht. Immer noch sehe ich seine Augen, seine Hände, die wir angenagelt haben. Seine Füße, die wir angenagelt haben. Seine Arme, die wir weit aufgerissen haben. Seine Hände - nein, sie haben noch nie ein Terroristenmesser in die Hand genommen, um anderen die Kehle durchzuschneiden. Nein, sie haben zugedrückte Kehlen befreit, daß Menschen neu atmen können, durchatmen können.

Was war sein Lieblingswort? Es geistert durch das ganze Land hier. Sein Lieblingswort: 'Dir sind deine Sünden vergeben. Aufatmen und frei sollst du sein.' Das geht mir alles durch den Kopf, in dem ich so stehe. Wie ein Film läuft alles noch einmal. Ich komme nicht weg - wie festgenagelt. Warum gehe ich nicht einfach? Ich kann nicht wegsehen von dem am Kreuz. Kannst du es? Ich kann einfach nicht weggehen. Kannst du es? Ich kann keine Freistunde machen jetzt. Kannst du es?

Eine letzte Regung des Angenagelten. Ein letzter Schrei. Das letzte Wort: 'Es ist vollbracht.' Jetzt muß ich antworten. Nein, ich habe eigentlich gar nichts zu sagen. Aber ich höre mich plötzlich antworten: 'Dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen." Gott sei Dank! Danke, Gott! Meine Sünden vergeben. Mein Gott, nicht mehr verlassen. Nie mehr verlassen. Mein Gott - mein Gott.

Ich stehe immer noch vor ihm. Seine offenen Arme für mich. Sein Blut für mich. Es ist alles auch für mich vollbracht. Karriere - was zählt das noch? Das ist der Höhepunkt meiner Karriere für mich. Mehr gibt es nicht. Mehr verlange ich nicht. Ich habe alles. Und deshalb haben sie doch recht, die Verwandten, wenn sie sagen, ich habe Karriere gemacht. Und die Kollegen haben auch recht. Ich habe Karriere gemacht.

Aber eines sage ich jetzt nicht mehr: 'Verdammtes Heiliges Land.' Jetzt sage ich: 'Versöhntes Heiliges Land.' Was heißt hier Land? Versöhnte - deshalb heilige - Welt. Es hat angefangen bei mir und bei dir.'

2. Predigt

Bild (Sieger Köder) betrachten

Die Evangelisten Matthäus und Markus überliefern uns, Jesus sei gestorben nach dem lauten Ruf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" (PS 22). Danach sei der Vorhang des Tempels von oben bis unten mitten entzwei gerissen.

Der Maler zeigt uns vor einem fast schwarzen Hintergrund die Gestalt des ster­benden oder bereits toten Gekreuzigten, blutend, zerschlagen, mit einer klaffenden Wunde in der linken Brustseite. Sein Haupt hängt nicht auf die Brust herab, sondern ist nach oben gereckt und taucht ein in das Dunkel, in dem sich das Gesicht verliert. Um die Hüften des Gekreuzigten ist kein Lendentuch gewunden. Es sind brutale Stricke, die sich über "kreuzen". Sie erinnern an die erste Station, wo solche Stricke die Hände Jesu fesselten. Hier umschlingen sie die Mitte des Körpers und machen deutlich: Jesus ist fest­gebunden, „angenagelt" an das Kreuz, das nur in den gekreuzten Stricken angedeutet wird.

Wie schon Jesaja den geheimnisvollen Gottesknecht beschrieb, sehen wir „keine schöne und edle Gestalt, so daß wir ihn anschauen möchten, sondern einen Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut, verachtet und von dem Menschen gemieden" (Jes 53,2.3).

Im Vordergrund des Bildes erblicken wir den zerrissenen Vorhang des Tempels, vom Maler pergamentartig gestaltet als Hinweis auf die pergamentenen Schriftrollen des Alten Bundes. Auf der „zerrissenen Buchrolle" sind Teile des hebräischen Textes jenes Psalmverses zu lesen, den Jesus in seinem Sterben hinausschrie: Eli, Eli lema sabachtani?

Ist hier mehr zu sehen als Blut, Schmerz, Schwachheit, Spott, mehr als ein Mensch, der zur 'Nummer', zum 'Nichts', zur Narrengestalt und zur Spottfigur der Mächtigen wurde?

„Der Hauptmann aber, der dabeistand ihm gegenüber und sah, daß er so verschied, sprach: 'Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen." (Mk. 15,39)

Sehen sie das? Sehen sie da den Sohn Gottes? Erkennen sie ihn auf diesem Bild. Nicht wiedererkennen, weil man ja irgendwie schon mal etwas davon gehört hat, sondern: Erkennen sie ihn?

Ein Gott versteckt im Leiden. Griechisch: Ein Gott leidet nicht. Paulus den Juden ein Ärgernis, (verflucht, wer am Holze hängt), den Griechen eine Torheit, uns aber, die wir gerettet werden eine Gotteskraft

„Als er ihn aushauchen sah“

Centurion = Befehlshaber über eine Hundertschaft.

Woran erkennt der Hauptmann Jesus als Gottes Sohn?

Mk-Ev. An dem Schrei, so Lane (Schrei für Erstickungstod außergewöhnlich)

MT – an dem Erdbeben

Lk. „als der Hauptmann sah, was da geschah“ (Finsternis)

Wer Jesus erkennen will,

nicht in die Studierstube, keine philosophisches Nachdenken, keine nächtelangen Diskussionen.

1) Gott bestätigt seinen Sohn, er interpretiert dieses Sterben

2) Jesus begleiten

Für uns heute

1) Ostern

2) Jesus begleiten

Dieser Tod ist anders. In der Woche  Passionsandachten, den Leidensweg Jesu verfolgt – dieser Tod ist anders, dieser Mensch ist anders, wahrlich er ist Gottes Sohn.

Jesus begleiten, sich mit Jesus beschäftigen, das können wir auch heute

Bibellese – Markusevangelium / Joh.Ev

Kirchenjahr dieser Mensch ist anders, wahrlich er ist Gottes Sohn

-> dieser Mensch ist anders, wahrlich er ist Gottes Sohn

Ende Naumburger Dom / oder Eismeerkathedrale Tromsö

Der Baumeister des Naumburger Doms hat durch seine Bauweise ei­ne stumme, aber eindrückliche Pre­digt gehalten. Zwischen Mittelschiff und Chor der Kirche hat er einen so­genannten Lettner eingebaut, d.h., eine halbhohe Scheidewand, durch­brochen von einer Doppeltür, die den Zugang zum Chorraum herstellt. Dieser Chorraum ist von dem Bau­meister als Abbild des Himmels ge­dacht und dargestellt. Und nun die eindrückliche Predigt: Die beiden Türen, die zum Chorraum führen, sind durch einen Mittelpfosten getrennt bzw. auch vereint, der ein Kruzifix dar­stellt. Rechts wie links geht der Zu­gang zum Chorraum (Himmel) nur unter den Armen des Gekreuzigten hindurch. Es kommt keiner in Gottes Ewigkeit, der nicht unter dem Ge­kreuzigten hergeht. Außerhalb der ausgebreiteten Arme gibt es keinen Zugang zur Ewigkeit.

Noch ein Gedanke

Risikoreiche Bemerkung, eines römischen Hauptmann zu einem durch Pilatus zum Tode verurteilten. Kommt zum Lob Gottes und zur öffentlichen Feststellung der Unschuld des Hingerichteten.

Doch wo ein Mensch innerlich überwunden ist vom Tode Jesu, da fragt er nicht mehr, was andere Menschen denken. Da muß er zu diesem Mann am Kreuz stehen. Da riskiert er sein Ansehen bei seinen bisherigen Freunden. Da hat er nur noch ein Interesse: Auch mein Leben soll ein Beitrag zum Lobe des großen und gnädigen Gottes sein.

Wie steht es um uns? Stellen wir uns zum Kreuz, bekennen wir das Kreuz? Oder ist uns das peinlich?

Zum Erkennen gehört das Bekennen dazu.

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